Texterschmiede-Absolventin Daniela Krause, Texterin bei der Hamburger Agentur Jung von Matt/Elbe
Kreischbunte Hauswurfsendungen. Preisknüller-Angebote für Sammelmünzen-Sammler. Schlabbrige Briefumschläge, die lebenslangen Reichtum versprechen. Ist das Dialogmarketing? Leugnen zwecklos: es zählt dazu. Aber der Dialog mit dem Kunden kann auch ganz anders sein: Gezielt. Kreativ. Abwechslungsreich. Das hängt von der Agentur ab. Und von Grafik und Text – wie in der klassischen Werbung auch.
Ohnehin sind die Unterschiede zwischen „Dialog“ und „Klassik“ nicht so eklatant, wie allgemein behauptet wird. In beiden Branchen kommt es darauf an, das Produkt eines Kunden zu bewerben: mit einer guten Idee als Ausgangspunkt – und einer guten Kreation, die der Idee zu einem entsprechenden Auftritt verhilft. Der zugegebenermaßen im Dialogmarketing etwas textlastiger ist.
Wie in der klassischen Werbung auch ist es Aufgabe des Texters, im Team mit einem Art-Partner eine auf dem Briefing basierende Idee zu entwickeln und diese auszuarbeiten. Und dann wird geschrieben: Anzeigen- und Plakat-Headlines, Long Copys, Short Copys, Folder, Slogans, Promotion-Konzepte, Briefe, Funkspots – die ganze Palette eben. Manchmal auch einen Fernsehspot. Na gut, eher selten einen Fernsehspot.
Der ganz normale Tag einer ganz normalen Dialog-Texterin könnte zum Beispiel so aussehen:
Morgens, halb zehn, in Deutschland. Erst mal der obligatorische Kaffee: ganzes Koffein, halbes Aroma. Dann kann der Tag kommen... Rechner an, aktuellen Job öffnen: Einem großen deutschen Blatt laufen die Leser weg – wir sollen sie aufhalten. Also ein Konzept zur Leser-Rückgewinnung erarbeiten. Schon gestern haben die Art-Direktorin (AD) und ich zusammen gesessen (Meeting!) und Ideen gesammelt. Mittags sollen wir die besten Ergebnisse vor CD und Kontakt präsentieren, also bringe ich den Zettelhaufen in eine präsentable Form und sammle erste Inhalte in Bulletpoints. Gegen Mittag Erleichterung unsererseits: Unser Favorit ist auch Gesamtfavorit. Letzte Fragen werden geklärt: Distribution? Wie viele Seiten? Genaue Inhalte? Wird gemacht. Also zurück an den Rechner. Gerade als ich in die Tastatur hauen will, klingelt das Telefon: Auf einem anderen Etat brennt es – ein Text für den Imagefolder fehlt noch. Der betreuende Texter ist im Meeting – also springe ich ein. 400 Anschläge Zeit, eine Welt mit Worten zu schaffen, Bilder zu schreiben. Überlegen. Tippen. Löschen. Erneut tippen. Geschafft, Text steht. Der Kontakt hat keine Einwände – also nichts wie rein ins Layout und raus an den Kunden. Zurück zum Platz und zum Konzept: Wie soll die Tonalität sein? Wie umfassend ist das Thema eigentlich? Das Internet hilft. Schlau machen, Infos sammeln. Dann geht’s an die Headlineführung. Wichtiger Teil, denn: wen schon die Headline nicht anspricht, der wird dem Text keine Chance geben. Also, Headlines texten. Sublines texten. Erste Copy-Layouts texten. Und wieder klingelt das Telefon: die Grafik ist dran. Der Text paßt nicht ins Layout der Promotionkarte, die gerade angelegt wird. Also rüber: Gucken. Kürzen. Layout modifizieren.
18.45 Uhr. Die Intros stehen. Letztes Treffen mit der AD für heute, um unsere Tagesergebnisse noch mal abzugleichen. Rechner aus. Feierabend. Morgen geht’s weiter im Text.