Texterschmiede-Absolventin Katharina Schlungs, Texterin bei Scholz & Volkmer in Wiesbaden.
Das habe ich mich auch gefragt, an meinem ersten Tag bei der Multimedia-Agentur Scholz & Volkmer in Wiesbaden. (Wo? Wiesbaden. Ja. Haben Sie Frankfurt? Dann eine Daumennagelbreite nach links. Bitte sehr.)
Scholz & Volkmer – Heimat für Web-Designer, Hobbyraum für Flasher, Arena für Projektleiter, Werkstatt für Programmierer und Paradies für Texter. Letzteres für mich seit 10 Monaten. Was natürlich völlig subjektiv ist. Genau wie die folgenden Momente aus dem Alltagsleben eines Texters in der Multimedia-Branche.
9.00 Uhr: Online
+++ Verbindung hergestellt +++ Erstmal surfen. Was tut sich im Netz?
10.00 Uhr: Abgabe Textmanuskript
Geschafft: Die Texte für die neue Web-Page eines Mode-Labels stehen. Und die Freigabe vom Kunden ist auch schon da. Gefährliche Klippen wie das „Wording“, die treffende Benennung der Navigation einer Web-Site, habe ich erfolgreich gemeistert. Nicht ohne einiges Umherirren in exotischen Wort-Gewässern. Mein fertiger Text und die Screens des Web-Designers werden vom Flasher zusammengefügt. Jetzt ergänzt die Beschreibung der neuen Sommer/Frühjahrs- Kollektion die stimmungsvollen Modeaufnahmen. Und umgekehrt. Tolle Wirkung!
11.30 Uhr: Konzeptmeeting für eine neue Web-Site
Heiße Diskussion zwischen Design, Text, Programmierung und Flash. Eintags-Ideen werden geboren, blühen auf und entschlafen wieder. Einige scheiden eher unsanft aus dem Leben – mit aktiver Sterbehilfe von Seiten der Technik.
Die Kreation: „Das haben wir uns dann so vorgestellt: man klickt hier, dann bewegt sich das von da nach dort und am Ende sieht das so aus. Geil, oder?“
Die Technik: „Vergiß es einfach. Geht nicht..“ – „Oh Mann, warum denn nicht?“ – „Viel zu aufwendig, die Datei wird sooooo groß und dann läuft das gaaaanz langsam ab. Total matt.“
Drohungen sind erfolglos. Wir versuchen es mit Argumenten. Schließlich einigen wir uns auf einen Kompromiß: die Programmierung gibt der Idee der Kreation eine Chance und probiert es einfach mal aus. Vielleicht klappt es ja doch?
15.00 Uhr: Recherche
Die Materialschlacht wird geschlagen. Ein Berg von Büchern, Zeitschriften und Kopien türmt sich auf meinem Schreibtisch. Der Kunde hat alles geschickt, was er an Unterlagen zum Thema hat. Sind wirklich interessante und relevante Informationen darin enthalten? Drei Stunden und 2.243 Seiten später weiß ich alles, was man über Keramikbremsscheiben wissen kann. Zu diesem Thema schreibe ich für eine CD-ROM einen Text mit 220 Anschlägen. Der Screen-Designer will ihn auf 150 Anschläge kürzen. Der Kunde hat noch Änderungswünsche und will 350 Anschläge haben. Wir einigen uns auf einen Mittelwert. So etwa 220.
19.30 Uhr: Offline
Verlasse die virtuelle Welt. Surfe noch kurz an „meinen“ Seiten von Scholz & Volkmer vorbei. Ist schon ein aufregendes Gefühl, die eigenen Texte online zu sehen: Als ob man der Welt „Hallo!“ sagt. Ob sie antwortet? +++ Verbindung beendet +++
P.S. Mittlerweile arbeitet Katharina Schlungs nicht mehr bei Scholz & Volkmer, sondern bei der Agentur Neue Digitale.